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Stundenlanges Warten vor dem Impfbus in Hattingen

Hattingen. 
Stundenlang warteten hunderte Menschen in Hattingen vor dem Impfbus. Viele wollen den Booster und scheuen lange Wartezeiten bei den Hausärzten.

Es ist eine rekordverdächtig lange Schlange an diesem Mittwochmorgen. Bei kühlen sechs Grad Außentemperatur warten mehrere Hundert Bürgerinnen und Bürger geduldig, um sich im Impfbus des EN-Kreises eine Corona-Impfung abzuholen.

Gegen halb zehn, also gerade eine halbe Stunde nach Beginn der Aktion, reicht die Schlange bereits vom Impfbus, der am Rathausplatz steht, am Rathaus vorbei und um die Ecke auf den Parkplatz Roonstraße. Und hier noch einmal um die Ecke bis fast zur August-Bebel-Straße. Es sind Bürgerinnen und Bürger jeden Alters und Geschlechts. Ältere Menschen mit Rollator oder in weiser Voraussicht mitgebrachtem Stuhl sind genau so darunter, wie eine junge Frau mit Kinderwagen.

Alternative Impfbus: Beim Hausarzt warten die Impfwilligen in Hattingen zu lange

Am Ende der Schlange steht Johannes Störing (24), der hier auf seine dritte Impfung wartet – in der Hoffnung beim Impfbus schneller zu sein, als über die Warteliste beim Hausarzt. Derweil hat es Rainer Lorenz (62) schon auf die andere Seite des Busses in eine weitere Schlange geschafft. Gegen viertel nach acht war er da an diesem Morgen, um zehn ist er zumindest schon angemeldet und wartet nun auf die Impfung. Auch er findet: „Das Impfangebot ist zu gering.“ Beim Hausarzt zumindest müsste er bis ins neue Jahr auf seine Booster-Impfung warten.


Aber auch an diesem Morgen ist Geduld gefordert. „Ich glaube nicht, dass ich das durchhalte“, meint ein 82-Jähriger mit skeptischem Blick auf die Warteschlange. Und er ärgert sich. „Ich versteh nicht, warum sie die Impfzentren zugemacht haben.“ Das in Ennepetal ist zwar an diesem Morgen wieder mit vier Impfstraßen geöffnet, doch hier – so mutmaßen viele der Wartenden – werde man bestimmt ebenso lange warten müssen. Sämtliche Termine bis Ende November waren jedenfalls innerhalb eines Tages alle vergeben.


Die meisten Impfungen sind Booster

Die meisten Bürgerinnen und Bürger warten am Impfbus auf ihre dritte Impfung. Etwa 70 Prozent der Impflinge, so schätzt Impfhelfer Erich Malinowski, kommen zum Boostern her. Eine Handvoll Zweitimpfungen sei ebenfalls dabei – und auch Erstimpfungen. Der politische Druck auf die bislang Ungeimpften scheint also das zu bewirken, was er soll.

„Ich vertraue dem Impfstoff nicht“, betont eine Wartende, die seit viertel nach neun auf dem Parkplatz steht. „Ich mache das nur, damit ich meine Arbeitsstelle nicht verliere.“ Von der Politik fühlt sich die 58-jährige Steuerfachangestellte zum Impfen genötigt und genau das ist ihr Problem: „All diese Maßnahmen führen nicht dazu, dass ich mehr Vertrauen habe.“

Drei Stunden später steht die gleiche Dame noch immer in der Anmeldeschlange. Bis vor die Rathaustür hat sie es gegen Mittag geschafft. Jetzt wegzugehen lohnt sich auch nicht mehr. Derweil hat die Stadtverwaltung reagiert und schenkt an die Wartenden heißen Kaffee aus. Denn kalt ist es noch immer. Deshalb warten auch nur wenige nach der Impfung im eigens dafür vorgesehenen Zelt.

„Viele Leute haben die alten Papiere nicht mit“, berichtet Erich Malinowski weiter. Auch deswegen müssen die Impfwilligen so lange warten. Aber natürlich auch, weil der Andrang extrem groß ist. Ältere Gehbehinderte ziehen die Helfer konkret aus der Schlange vor.

Weil der Andrang so groß ist, und das nicht nur in Hattingen, wurde das Personal im Impfbus schon verdoppelt, berichtet Malinowski. Zehn Arbeitskräfte, Ärzte und Helfer, versuchen während der sechs Stunden, möglichst vielen Impfwilligen die begehrten Spritzen zu setzen.


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